Unsere Geschichte

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"Eine Chronik schreibt nur derjenige, dem die Gegenwart wichtig ist."

Johann Wolfgang von Goethe

 

Die Anfänge im 19. Jahrhundert

 

Die Geschichte der Absolvia Wunsiedel reicht bis in die Jahre 1879/80 zurück. Obwohl Schülerverbindungen von den königlich bayerischen Schulbehörden streng verboten waren, schlossen sich bereits 1879 Schüler der damaligen Königlichen Realschule Wunsiedel im Geheimen unter dem Namen »Absolvia« zusammen. Trotz der behördlichen Repressionen bestand die Verbindung fort. In den 1890er-Jahren pflegte sie bereits rege Kontakte zu Schülerverbindungen in Bayreuth und Hof. 1902 wurde mit dem behördlich genehmigten »Absolventen-Club« der erste Altherrenverband gegründet. Er bestand allerdings nur kurze Zeit.

 

 

Die Gründung im Jahr 1911

 

Am 28. Mai 1911 gründeten die sechs Bundesbrüder Porsch, Schaller, Döbereiner, Wunschel, Hechtfischer und Leppert den »Realschulabsolventen-Verband ›Absolvia‹ Wunsiedel« als neuen Zusammenschluss der Alten Herren und Bindeglied zu den jungen Bundesbrüdern an der Schule. Er wurde zum organisatorischen und ideellen Rückhalt der Schülerverbindung. Der 28. Mai 1911 gilt seither als offizielles Stiftungsdatum der Absolvia Wunsiedel, da von diesem Zeitpunkt ab eine ununterbrochene historische Traditionslinie besteht.

 

 

Vom Ersten Weltkrieg bis zur nationalsozialistischen Diktatur

 

Im Ersten Weltkrieg verloren mehrere Bundesbrüder ihr Leben. Trotz des weiterhin bestehenden schulbehördlichen Verbots führte die aktive Schülerschaft, die sogenannte Aktivitas, das Bundesleben in Wunsiedel fort. Nach Kriegsende erlebte die Verbindung ab dem Wintersemester 1918/19 einen deutlichen Aufschwung. 1921 wurde das 10. Stiftungsfest im großen Rahmen gefeiert. Zwei Jahre später wurde ein Ehrenmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Lehrer und Mitschüler eingeweiht. Während der Weimarer Republik unterhielten Aktivitas und Altherrenverband enge Kontakte zu mehreren fränkischen Schülerverbindungen.

 

Anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Realschule Wunsiedel fand 1933 eine große Jubiläumsfeier statt, die von der Schule, der Stadt und dem Altherrenverband der Absolvia gemeinsam ausgerichtet wurde.

 

Die nationalsozialistische Machtübernahme hinterließ auch innerhalb der Absolvia deutliche Spuren. Einzelne Mitglieder näherten sich dem Regime und seiner Ideologie an. Andere bemühten sich darum, die Eigenständigkeit der Verbindung, ihre überlieferten Werte und ihre demokratischen Strukturen zu bewahren. Unter dem zunehmenden Druck der nationalsozialistischen Gleichschaltung und nach dem Verbot studentischer und pennaler Korporationen löste sich die Absolvia Wunsiedel im März 1936 auf. Überlieferten Berichten zufolge wurden zahlreiche Dokumente vernichtet und das vorhandene Eigentum des Bundes beschlagnahmt. Im Zweiten Weltkrieg verloren erneut viele Bundesbrüder ihr Leben.

 

 

Die Wiedergründung nach dem Zweiten Weltkrieg

 

Bereits 1952/53 unternahmen einige Alte Herren einen ersten Versuch, die Absolvia wiederzugründen. Auch unter den Oberstufenschülern der Wunsiedler Oberrealschule wuchs 1956/57 das Interesse an der Gründung einer Schülerverbindung. Unter dem Senior Braune formierte sich zu Beginn des Jahres 1957 eine neue Aktivitas und trat in die Traditionslinie der Absolvia Wunsiedel. Am 20. März 1957 wurde der Altherrenverband neu gegründet und wenig später ein Wiedergründungskommers gefeiert. Kontakte, die während der Verbots- und Kriegsjahre erhalten geblieben waren, erleichterten auch die Neuformierung des Altherrenverbandes. Mit Unterstützung der Aktivitas, der Alten Herren und des örtlichen Waffenrings nahm das Verbindungsleben rasch wieder Fahrt auf.

 

Ab 1958 wurde die Wunsiedler Oberrealschule von den Bundesbrüdern Dr. Theussner und Dr. Kögler geleitet. 1959 trat die Absolvia Wunsiedel als neunte Mitgliedsverbindung dem Fränkischen Absolven-Convent bei. Zwei Jahre später feierte sie ihr 50. Stiftungsfest.

 

Mit dem ersten »Couleurball« begründete die Absolvia 1965 eine neue gesellschaftliche Tradition. Die Veranstaltung entwickelte sich in den folgenden Jahren zu einem festen Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens in Wunsiedel.

Anfang der 1970er-Jahre kam das aktive Bundesleben vorübergehend zum Erliegen; die Aktivitas wurde vertagt.

 

 

Reaktivierung und jüngere Geschichte

 

Nach siebenjähriger Unterbrechung wurde die Aktivitas 1977/78 reaktiviert. Einen weiteren Meilenstein bildete 1982 die Einweihung der ersten eigenen Konstante, eines festen Verbindungsdomizils. 1986 beging die Absolvia Wunsiedel ihr 75. Stiftungsfest.

 

Auch gesellschaftliche Verantwortung spielte zunehmend eine Rolle. 1992 nahm die gesamte Aktivitas an einer Demonstration des Luisenburg-Gymnasiums für Menschenrechte und Toleranz teil. Zwei Jahre später begründete die Absolvia eine Vortrags- und Seminarreihe zu Themen aus Geschichte, Politik und Gesellschaft. In den 1990er-Jahren trat sie außerdem dem Verein der Freunde und Förderer des Luisenburg-Gymnasiums bei. Beim Schuljubiläum »50 Jahre Abitur« unterstützte die Verbindung 1997 die Schulfamilie des Luisenburg-Gymnasiums bei der Durchführung der Feierlichkeiten. Im Jahr 2000 wurde im Atrium des Gymnasiums ein neues Absolvenehrenmal eingeweiht. Es erinnert an die im Ersten und Zweiten Weltkrieg gefallenen Bundesbrüder, Mitschüler und Lehrer. Die Vergil zugeschriebene Inschrift lautet: »Im Krieg ist kein Heil – um Frieden bitten wir alle!«

 

Einen Höhepunkt der jüngeren Bundesgeschichte bildete das 100. Stiftungsfest im Jahr 2011. Beim Festkommers am 28. Mai hielt der frühere Bayerische Ministerpräsident und Farbenbruder Dr. Beckstein vor mehr als 200 Farben- und Bundesbrüdern die Festrede.

 

Ihr Engagement für Demokratie und Menschenrechte setzte die Absolvia 2013 mit der Teilnahme an einer von der Stadt Wunsiedel veranstalteten Demonstration fort.

 

Das 105. und das 110. Stiftungsfest wurden 2016 beziehungsweise 2021 mit großen Festkommersen begangen. Die Festreden hielten Altlandrat Dr. Seißer und der damalige Vizepräsident des Deutschen Bundestages, Farbenbruder Dr. Friedrich, MdB.

 

 

... vivat, crescat, floreat in aeternum!

 

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